Die Geschichte des Trinkgelds

5000 $ Trinkgeld? Nicht jede Service-Kraft kann sich über einen Gast wie „Tipsforjesus“ freuen. In den USA erhöht der unbekannte Spender Gastro-Rechnungen auf ungeahnte Beträge. Da werden aus 2,50 $ schon mal 102,50 $ - oder aus 2078 $ sogar 7078 $. Hierzulande sind die Service-Kräfte schon froh, wenn um fünf bis zehn Prozent aufgerundet wird.

Trinkgeld gehört in Deutschland zur Gastronomie dazu. Aus Sicht der Arbeitnehmer ist es oft eine ersehnte Entschädigung für einen harten Job, anstrengende und familienunfreundliche Arbeitszeiten und eine geringe Bezahlung. Für Gäste ist es manchmal ein schwieriges Abwägen zwischen persönlichem finanziellem Rahmen und Honorierung der Dienstleistung.

Doch woher kommt dieser Brauch eigentlich?

Trinkgeld bereits im Mittelalter

Der deutsche Ausdruck „Trinkgeld“ taucht erstmals im späten Mittelalter auf. Im Benimm-Klassiker „Über den Umgang mit Menschen“ rät Adolph Freiherr von Knigge bereits 1788 „dem Wagenmeister ein gutes Trinkgeld zu geben“. Die Intention des Spenders war also, dass das Trinkgeld auf sein Wohl vertrunken wird. In vielen europäischen Ländern war es seit dem Mittelalter üblich, Dienstleistungen von Boten, Handwerkern und Fuhrleuten mit Trinkgeld zu belohnen. Der Übergang zur Bestechung war damals fließend. Allerdings war das Trinkgeld allgemein akzeptiert. Fragen nach Rechtmäßigkeit oder Moral kamen erst in der Moderne.

Der Massentourismus im 19. Jahrhundert

In der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts setzte allmählich der Massentourismus ein und Trinkgeld kam immer mehr in Mode. Es entwickelte sich für den Gast zu einem Mittel sozialer Abgrenzung, durch das sich selbst noch der Kleinbürger von den Unterschichten unterscheiden konnte. Zugleich führte es zu Unmut, denn der Gast fühlte sich von gierigem Personal indirekt unter Druck gesetzt, das wiederum auf das Trinkgeld angewiesen war, da der feste Lohn nicht mehr zum Überleben reichte. Diese verzwickte Situation führte zu diversen moralischen Debatten. Werden Kellner zu Sklaven degradiert oder Gäste zu höheren Zahlungen gezwungen? Trinkgeld-Kritiker waren besorgt über einen Sittenverfall, der unerwünschte gesellschaftliche Konsequenzen mit sich trägt. Nicht selten wurde Trinkgeld als Bestechung oder Degradierung gesehen. Gerade der Austausch zwischen männlichen Gästen und weiblichen Bedienungen im Gastgewerbe wird als heikler Punkt empfunden. Außerdem schürten die praktizierte Inkonsequenz und Willkür die Diskussionen. Denn die einen Dienstleistungen wurden mit Trinkgeld honoriert, andere vergleichbare aber nicht.

Kampf gegen das Trinkgeld

Die moralische Debatte gipfelte auf deutschem Gebiet um 1900 in der Gründung der bürgerlichen „Anti-Trinkgeld-Liga“. Diese blieb jedoch ohne Erfolg – wie auch andere Gesetzesinitiativen zum Trinkgeldverbot bis in die Weimarer Republik. Das Trinkgeld zeigte sich auch in anderen Ländern hartnäckig. Gesetzliche Verbote in einigen US-Bundesstaaten konnten sich nicht in ganz Amerika durchsetzen. Unter den verschiedensten gesellschaftlichen Bedingungen – sei es im faschistischen Italien oder in der sozialistischen DDR – blieb das Trinkgeld hartnäckig.

Trinkgeld könnte man also auch als Austausch symbolischen Kapitals in Geldform bezeichnen.
„Trinkgeld könnte man also auch als Austausch symbolischen Kapitals in Geldform bezeichnen.“

Trinkgeld weltweit

Von Kontinent zu Kontinent, oft sogar von Land zu Land ist das Trinkgeld Geben verschieden. In Mitteleuropa sind meist fünf bis zehn Prozent üblich. Ausnahme ist z. B. Italien. Hier hat das Trinkgeld außerhalb der Tourismuszonen eine recht geringe Bedeutung. Das geht sogar so weit, dass Rückgeld teils bis auf den Cent genau gefordert wird.
In den USA sind 15 % „tip“ eher Minimum. Service-Kräfte in der Gastronomie erhalten dort einen sehr geringen Mindestlohn und sind auf spendable Gäste angewiesen. In vielen Ländern des arabischen Raums wird fast schon für jeden Handgriff „Bakschisch“ erwartet. In Ostasien hingegen kann sich ein Tourist mit Trinkgeld sogar unbeliebt machen. Das wird teilweise als Beleidigung empfunden. Dort wird es als selbstverständlich gesehen, perfekten Service zu bieten. Nur in touristisch erschlossenen Regionen und internationalen Hotels ist Trinkgeld auch in Fernost willkommen. Benimm-Ratgeber und Reiseführer helfen bei der Wahl des richtigen Trinkgelds.

Unser Tipp

Kleine Kniffe, mit denen deine Servicekräfte mehr Trinkgeld bekommen, verraten wir dir hier!

Bildquelle Titelbild: ©istockphoto, AndreyPopov, ID: 470297592

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